Von der Reformbewegung bis zur digitalen Ära: Eine Reise durch ein Jahrhundert Formgebung
In München schlossen sich Künstler, Architekten, Unternehmer und Gestalter zusammen, um die Qualität industriell gefertigter Produkte zu verbessern. Peter Behrens entwarf als erster Corporate Designer das gesamte Erscheinungsbild der AEG – von der Architektur bis zum Briefpapier.
Walter Gropius gründete die einflussreichste Designschule des 20. Jahrhunderts. Die Verschmelzung von Kunst und Handwerk, die Betonung von Funktionalität und die Entwicklung einer neuen Formensprache prägten Generationen von Gestaltern weltweit.
Das neue Bauhausgebäude wurde zum Manifest gebauter Moderne. Marcel Breuer entwickelte hier den legendären Stahlrohrsessel, Marianne Brandt gestaltete ikonische Metallarbeiten. Die Werkstätten produzierten nun für die Industrie.
Die Nationalsozialisten erzwangen die Schließung des Bauhauses. Viele Meister emigrierten in die USA und trugen dort zur Verbreitung moderner Gestaltungsprinzipien bei. Ludwig Mies van der Rohe baute in Chicago, Josef Albers lehrte in Yale.
Max Bill, Inge Aicher-Scholl und Otl Aicher gründeten eine neue Designschule mit wissenschaftlichem Anspruch. Hier entstand die systematische Gestaltungsmethodik, die deutsche Produkte von Braun bis Lufthansa prägte.
Als Chefdesigner formulierte Rams seine zehn Thesen für gutes Design. Seine Entwürfe für Braun – von der Phonosuper-Kombination bis zum Taschenrechner ET66 – wurden zu Klassikern und inspirierten später die Apple-Ästhetik.
Trotz ihres kurzen Bestehens hinterließ die Hochschule bleibende Spuren. Alumni prägten das Design bei Unternehmen wie Siemens, Rosenthal und im öffentlichen Erscheinungsbild der Olympischen Spiele München 1972.
Designer wie Konstantin Grcic und Stefan Diez knüpften an die Tradition funktionaler Gestaltung an, interpretierten sie aber mit neuer Freiheit. Deutsches Design blieb international einflussreich und wurde für seine Reduktion geschätzt.
Aktuelle deutsche Designer verbinden die Tradition der Funktionalität mit Fragen der Nachhaltigkeit und digitalen Transformation. Die Grundsätze von Ehrlichkeit und Langlebigkeit gewinnen neue Relevanz in einer Zeit des Überflusses.
„Form follows function – that has been misunderstood. Form and function should be one, joined in a spiritual union."
Designhistoriker, Kuratoren und Vermittler mit Leidenschaft für deutsches Industriedesign.
Gründer und Designhistoriker
Promoviert über den Deutschen Werkbund. Zehn Jahre Kurator am Deutschen Architekturmuseum Frankfurt.
Kuratorin und Autorin
Spezialisiert auf die HfG Ulm. Veröffentlichungen in Form, Design Report und Architectural Review.
Workshopleitung
Industriedesigner mit eigenem Büro in München. Entwickelt unsere praktischen Seminarformate.
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